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Die Krebspest

Die Krebspest (Aphanomyces astaci)

Wie der deutsche Name bereits vermuten lässt, handelt es sich bei dieser Krankheit um eine äußerst gefährliche Seuche, die innerhalb kürzester Zeit ganze Flusskrebsbestände auszurotten vermag.

Die Krankheit wird durch "Algenpilze (Eipilze)" hervorgerufen, die systematisch zu den Peronosporomycetes gehören (früher als Oomycetes geführt).

In Europa wurde der Erreger in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts durch importierte nordamerikanische Flusskrebse eingeschleppt und verbreitete sich von ursprünglich Italien rasch über weite Teile Europas.
Amerikanische Krebsarten sind gegen den Erreger wesentlich widerstandsfähiger als andere Krebse, da sie durch Koevolution über einen langen Zeitraum eine gewisse Resistenz entwickelt haben. Der Erreger wird in ihrem Körper eingekapselt und kann sich daher nicht darin ausbreiten.

Man kann davon ausgehen, dass wohl jede Population amerikanischer Flusskrebse Träger des Erregers ist. (Innerhalb der Population kann die Durchseuchung der Individuen unterschiedlich hoch ausfallen).
Amerikanische Krebse können zwar auch an der Krebspest sterben, jedoch nur, wenn sie durch weitere Krankheiten geschwächt sind und ihr Immunsystem somit überlastet wird. Ansonsten können völlig gesund erscheinende Tiere die Krankheit übertragen, die für Krebse aus dem Rest der Welt innerhalb von 5-12 Tagen tödlich endet.

Der Erreger bildet keine Dauerstadien aus; es werden nach dem Tod des Wirtstieres Zoosporen freigesetzt, die ohne neues Wirtstier nur begrenzte Zeit überlebensfähig sind. Wassertemperatur und -chemie sowie Gewässerstruktur beeinflussen die Überlebensdauer der Sporen. Diese werden ebenso freigesetzt, wenn sich ein befallenes Tier häutet oder der Panzer durch äußere Einwirkungen (z.B. bei Angriffen oder Kämpfen) verletzt wird.

Infiziert werden unsere heimischen Flusskrebse, aber auch Krebse anderer Herkunft durch Zoosporen, die z.B. durch die weiche Gelenkhaut eindringen und sich rasch im Körper ausbreiten, da sie - anders als bei amerikanischen Krebsen - hier nicht eingekapselt werden.
Häufig ist bereits einen Tag nach der Infektion eine Verhaltensänderung zu bemerken.
Symptome sind: zunehmende Tagaktivität, Unruhe, vermehrtes Kratzen mit den Schreitbeinen. Ähnlich verhalten sich aber auch Tiere, deren Häutung bevorsteht.
Bald darauf stellen sich jedoch weitere Symptome ein, wie: zunehmende Lähmungserscheinungen, verminderter Fluchtreflex, Verlust von Gliedmaßen, oft bildet sich ein heller Flaum an den Gelenken.
Die Krebspest führt unweigerlich zum Tod des infizierten Tieres!

Die Krebspest ist nicht behandelbar! Daher ist ein sorgsamer Umgang - nicht nur in der Aquaristik - besonders wichtig, um die Infektion / weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern.

Man sollte niemals amerikanische Krebse mit Krebsen anderer Herkunft zusammen in einem Becken halten. Bei der Haltung in unterschiedlichen Aquarien empfiehlt es sich, für das Becken mit den amerikanischen Krebsen eigenes Utensil (Eimer, Kescher etc.) anzuschaffen, das nicht für andere Aquarien benutzt wird.
Ebenso sollte man aus diesem Becken keine anderen Tiere (Schnecken, Fische...), Wasserpflanzen oder Einrichtungsgegenstände in andere Aquarien verbringen. Auch sollte man das Wechselwasser möglichst nicht in die Kanalisation entsorgen. Obwohl die Zoosporen dabei vermutlich nur in geringer Zahl überleben, sollte man es besser zum Gießen von Gartenpflanzen verwenden. Und letztendlich bitte daran denken, nach dem Hantieren im "Amerikanerbecken" die Hände zu waschen, bevor man in andere Aquarien greift.

Dass man keine Krebse in die Natur entlässt, versteht sich von allein. Man macht sich dadurch sogar strafbar!

Ebensowenig sollte man gebietsfremde Krebse im Gartenteich halten. Auch von nicht-amerikanischen Tieren (z.B. "Australier") geht eine Gefährdung unserer heimischen Flusskrebse aus, wenn sie in öffentliche Gewässer gelangen. Selbst, wenn die Tiere hier aufgrund klimatischer Bedingungen kaum überleben würden, so könnten sie doch ihre spezifischen Krankheiten (Bakterien, Viren, Pilze, die z.T. sehr anpassungsfähig sind) an "unsere" Krebse weitergeben.

Oft werden Krebse aus Unwissenheit (sie gelten ja als gefährdet und man möchte etwas Gutes tun) für den Teich angeschafft. Oder aufgrund falscher Artbestimmung werden nichtheimische Krebse eingesetzt. Die Tiere sind in der Lage - gerade bei feuchtem Wetter - größere Strecken an Land zurückzulegen. Auch die Verschleppung durch Vögel oder Säugetiere ist möglich. Somit könnten sie in öffentliche Gewässer gelangen und zur Verbreitung der Krebspest beitragen.

Ein weiteres Gefährdungspotenzial stellt das Baden, Tauchen, Angeln in unterschiedlichen Gewässern dar. Hierbei können Zoosporen durch feuchte Bekleidung oder Ausrüstung in andere Gewässer eingebracht werden. Eine vollständige Trocknung des Equipments vor dem Einsatz in anderen Gewässern ist nötig!

Bisher ist nicht bekannt, ob außer Flusskrebsen auch andere Tiere (z.B. Garnelen) an der Krebspest sterben.

Ich hoffe, mit diesem Infotext ein wenig auf die Problematik der Krebspest und die Möglichkeiten der Verbreitung aufmerksam gemacht zu haben, denn unsere heimischen Krebse sind einzigartig und unwiederbringlich!